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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Baviaanskloof Wilderness Area - Einfuehrung



Blue Hill Escape
10.01.2012, 13:32
Die Baviaanskloof Wilderness Area ist nach wie vor ein Geheimtipp fuer Suedafrikaurlauber. Selbst viele Suedafrikaner kennen dieses spektakulaere Tal zwischen den Baviaans- und den Kougabergen noch nicht. Ich werde daher in den naechsten Wochen Informationen zu diesem Reiseziel zusammenstellen und hier veroeffentlichen. Im ersten Teil eine Einfuehrung.


Die Baviaanskloof Wilderness Area erstreckt sich ca 200 km von Willowmore bis Patensie und liegt weitestgehend im Ostkap – nur kleine Teile davon reichen ins Westkap hinein. Die Strecke eignet sich besonders fuer Reisende, die eine West-Ost-Verbindung im Inland fahren wollen, z.B. um vom Addo Elephant National Park nach Oudtshoorn zu gelangen. Man faehrt dabei auf einer Schotterstrasse und braucht fuer Teile des Baviaanskloof ein hoehergelegenes Gelaendefahrzeug. Fahrtzeit von Willowmore nach Patensie sind ca 6 Stunden.


Alternative West-Ost-Verbindungen sind noerdlich vom Baviaanskloof die geteerte, aber sehr ruhige R329 ueber Steytlerville, die durch karge Karoo- und Berglandschaft fuehrt, und im Sueden die ebenfalls geteerte R62 durch den Langkloof. Dort werden viele der Aepfel produziert, die Suedafrika exportiert.


Den Baviaanskloof kann man grob in drei Gebiete einteilen:


Der Westen: Vom offiziellen Anfangspunkt Nuwekloof Pass (44 km von Willowmore) bis Zandvlakte, ca 60 km. Diese Strecke kann man in einem normalen PKW fahren. Die Strasse fuehrt an Farmen vorbei, die groesstenteils auch Unterkunft und Aktivitaeten fuer Touristen anbieten. Von Camping ueber Uebernachtungsmoeglichkeiten in Hoehlen ueber Ferienhaeuser bis hin zur 4-Sterne-Unterkunft ist alles dabei.

Das Naturreservat: Kurz nach Zandvlakte beginnt das Naturreservat, das von der Eastern Cape Parks and Tourism Agency (ECPTA) geleitet wird. Es gibt hier kein Privatland, aber die ECPTA hat dort eine Picknick Area (Smitskraal) und drei einfache Campsites: Doodsklip, Bergplaas und Rooihoek. Das Naturreservat ist der eigentlich spektakulaere Teil des Baviaanskloof. Die Strasse windet sich hier 60 km lang Bergpaesse hinauf und wieder hinunter und bietet atemberaubende Ausblicke. Man braucht ein Gelaendefahrzeug fuer diesen Teil des Baviaanskloof. Hier kann man ausser Pavianen auch Vervet Monkeys (Meerkatzen), Kudu (Antilopen), Bueffel und mit ein bisschen Glueck sogar Spitzmaulnashoerner sehen.

Der Osten: Der letzte Teil des Baviaanskloof fuehrt am Fluss entlang durch ein fruchtbares Tal, in dem hauptsaechlich Zitrus angebaut wird. Ein Abstecher zum Kouga Damm, der die Bauern der Gegend, aber auch Port Elizabeth mit Wasser versorgt, lohnt sich. Auch hier bieten die Bauern Unterkuenfte an. Ein normaler PKW ist hier in Ordnung.





Zu den Aktivitaeten im Baviaanskloof gehoeren:
Wandern: Die meisten Farmen haben zumindest kuerzere (manche auch sehr lange) Wanderpfade fuer Uebernachtungsgaeste.
Mountainbiking: Die Strasse selber bietet sich an. Es gibt jedes Jahr im August ein Fahrradrennen (TransBaviaans), das 250 km durch den Baviaanskloof von Willowmore nach Jeffrey's Bay fuehrt! Mir ist allerdings nicht bekannt, dass jemand Fahrraeder verleiht. Muss man also selber mitbringen.
Voegel beobachten: Es gibt eine ganze Reihe endemischer Vogelarten. Wer sich dafuer interessiert, kann sich gerne bei uns melden.
Schwimmen: Die meisten Farmen bieten ihren Uebernachtungsgaesten eine Schwimmmoeglichkeit, entweder im Fluss, im Damm, in einem Felsenpool oder einem Swimming-Pool.
Klettern und Abseiling: Die steilen Abhaenge bieten sich an. Ausruestung muss man in der Regel selbst mitbringen.
4 x 4: Der Baviaanskloof selber natuerlich! Manche Farmer haben auch Farmstrassen oder richtige 4 x 4 Trails fuer ihre Besucher. Wir bieten das bei uns aus oekologischen Gruenden nicht mehr an.


Mehr Informationen (auf Englisch) zum Baviaanskloof, Willowmore und Steytlerville, sowie eine Auflistung der verschiedenen Unterkuenfte gibt es hier: www.baviaans.co.za (https://www.baviaans.co.za/)

Blue Hill Escape
17.01.2012, 13:12
Das Baviaanskloof-Megareservat ist insgesamt 553 000 Hektar groß und wurde 2004 als eines der acht Schutzgebiete des Kap-Florenreiches zum Weltnaturerbe erklärt. Das Kap-Florenreich zeichnet sich durch eine eigenständige Flora - den Fynbos - aus und gilt als eine der pflanzenreichsten Gegenden der Welt. 70 % der Fynbosarten sind endemisch, im Baviaanskloof sind ca 1/3 aller Pflanzenarten endemisch.

Das Besondere am Baviaanskloof ist, dass dort auf relativ kleiner Fläche sieben der acht südafrikanischen Biome (ökosysteme) vertreten sind: Fynbos, subtropisches Dickicht (subtropical thicket), Nama-Karoo, Sukkulenten-Karoo, Grasland, Savanne und Wald. Man kann dort also auf relativ kleiner Fläche viele verschiedene Pflanzenarten und daher natürlich auch Tier- und Vogelarten sehen. Ein Paradies für Naturliebhaber!

Im Baviaanskloof findet man Pflanzen aller Größenordnungen, von der kleinen Sukkulente Crassula lanceolata (Dickblatt) bis zur hohen einheimischen Willowmore Zeder (Widdringtonia schwarzii). Die Vorfahren des Pelargonium (Geranie), der beliebtesten Hauspflanze der Welt, sieht man im Baviaanskloof am Straßenrand. Die Aloen (Aloe ferox) blühen im Winter wie dunkelrot glühende Kerzen und erleuchten den Tag. Wunderschön pink und weiß blühende Proteen - typisch für den Fynbos - sieht man im Herbst. Der mächtige Yellowwood Baum (Podocarpus falcatus) war früher wegen seines Holzes sehr begehrt. Heute kann man in historischen Gebäuden noch Yellowwood-Decken, Fußböden und Möbel bewundern. Der Spekboom (Portulacaria afra) ist derzeit international im Gespräch, weil damit überweidetes Feld bepflanzt und "repariert" werden kann und diese Pflanze gleichzeitig große Mengen CO2 absorbiert.

Quelle: Baviaanskloof - A world apart; Herausgeber Lisa Hattingh; S. 51-62

Littlewood Garden
17.01.2012, 15:56
Hallo Anja,

danke, dass Du uns die Baviaanskloof Area hier näher bringst. Wir waren ja schon paar Mal in Baviannskloof und sind immer wieder begeistert.
Diese wunderschöne Landschaft „off the beaten tracks“ wird leider in vielen Reiseführern vernachlässigt.

Wie schon im obigem Einführungsbericht von Anja beschrieben, braucht man für die Hauptstrecke direkt durch den Baviaanskloof ein geländegängiges Fahrzeug, aber es gibt auch einige Strecken, die mit einem normalen PKW befahrbar sind und auch hier hat die Landschaft viel zu bieten.

Baviaanskloof ist ein echtes Paradies für Naturfreunde. Man erlebt alleine bei der Fahrt eine atemberaubende Landschaft, noch mehr sieht man allerdings, wenn man sich die Zeit für eine Wandertour nimmt.

Hier ein paar Bilder von unseren Touren durch den Baviaanskloof ……

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Littlewood Garden
17.01.2012, 16:03
Es müssen auch nicht immer die "Big Five" sein, auch so hat Baviaanskloof eine artenreiche Flora und Fauna ......

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Blue Hill Escape
17.01.2012, 17:03
Hallo Martina,

danke fuer deinen Beitrag und die (wie immer!) beeindruckenden Fotos! Zu Schildkroeten kann ich auch was beitragen. Wir haben es "Rush Hour im Baviaanskloof" genannt. Im Hintergrund sieht man eine Bushaltestelle aus den Zeiten als es im Baviaanskloof noch keine Autos, dafuer aber einen regelmaessigen Busservice fuer die Einwohner gab.

Littlewood Garden
21.01.2012, 08:25
Hier noch ein Bild vom Eingangs-Gate auf der westlichen Seite bei Geelhoutbos in das Naturreservat von Baviannskloof. Wie man sieht, ist man hier noch nicht auf großen Touristenanstrum eingerichtet, braucht man auch nicht und alles geht sehr gemütlich zu ...

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Und so sieht der offizielle Parkeingang an der östlichen Seite bei Poortjes aus ....

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Blue Hill Escape
02.02.2012, 06:23
Tiere
Wegen der vielen verschiedenen Ökosysteme auf kleinem Raum kann man im Baviaanskloof viele verschiedene Tierarten sehen. Auch wer nur durch den Baviaanskloof fährt und dort nicht übernachtet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einige dieser Tiere sehen, vor allem Paviane, Meerkatzen (vervet monkeys), Kudus (eine Antilopenart) und Leopardenschildkröten. Wer im Naturreservat campt, muss sich vor Büffeln in Acht nehmen.


Reptilien und Amphibien
Von den 57 Reptilienarten im “Kloof” sind 24 endemisch für Südafrika (d.h. es gibt sie nur in Südafrika) und 10 endemisch für die Kapregion. Dazu gehört zum Beispiel die große Leopardenschildkröte (Geochelone pardalis). In Südafrika gibt es viele verschiedene Frösche, allein 17 Arten im Baviaanskloof.


Schlangen
Schlangen sieht man vor allem in den Sommermonaten viele. Im Baviaanskloof hat man 24 Arten identifiziert, 5 davon sind endemisch für Südafrika. Kap-Kobra, Puffotter, Baumschlange, rhombic skaapsteker (Psammophylax rhombeatus – ich habe keinen deutschen Namen gefunden), Karoo- und Berg-Grasschlangen und der braunen Wasserschlange begegnet man am häufigsten, Kap-Kobra und Puffotter gelten als die gefährlichsten. Die Einheimischen verlassen sich auf den Kaprötel, eine Vogelart, als “Schlangenalarm”.

Jakoos van Jaarsveld von Kleinpoort erinnert sich, dass der Schlangenpark in Port Elizabeth in den 1940er Jahren seinen Vater dafür bezahlt hat, giftige Schlangen zu fangen. Sie brauchten diese, um ein Gegengift zu entwickeln.


Chacma-Paviane
Der Baviaanskloof wurde nach den dort lebenden Pavianen benannt und man sieht eigentlich immer eine Truppe, wenn man durch den Kloof fährt. Den Pavianen geht es hier gut, es gibt genug Futter und viele Felsen, von denen aus die Gegend überwacht werden kann. Ausgewachsene Männchen wiegen bis zu 40 kg, die Weibchen nur ungefähr 17 kg. Der Alarmruf der Paviane klingt so wie der englische Name: BA-BOON! Mit Betonung auf der ersten Silbe. Man glaubt, dass Paviane ungefähr 45 Jahre alt werden.
In den 1920er Jahren öffnete Piet Strydom – der Vater eines südafrikanischen Präsidenten – eine Gerberei und Lederwarenfabrik auf der Farm Zandvlakte. Außer Vogelstrauß, Rind, Schaf und anderen verwertete er auch Pavianfelle. Er machte daraus Schuhe, Schultaschen, Rucksäcke, Handtaschen, Schürzen und Hosenträger. Paviane haben eine dicke Fettschicht, aus der viele Kloofer Seifen herstellten. Professor Chris Barnard verwendete lebende Paviane für seine Herztransplantationsforschung in den 1960er Jahren.
Heute sind Paviane geschützt. Bitte nicht füttern, weil sie dadurch zu Problemtieren werden, die schlussendlich getötet werden müssen. Camper sollten besonders vorsichtig sein und alle Lebensmittel im verschlossenen Auto lassen.


Kap-Leopard
Der Leopard (Panthera pardus) ist das letzte große Raubtier im Kap. Er spielt daher eine wichtige Rolle im Ökosystem – sein Überleben sichert den Schutz anderer Tier- und Pflanzenarten. Leoparden gibt es nicht nur in Schutzgebieten, weil sie Zäune leicht überwinden. Die Hauptbedrohungen für Leoparden sind der Verlust ihres Lebensraums und Verfolgung durch den Menschen. Seit 2004 arbeitet die Landmark Foundation in Zusammenarbeit mit Landbesitzern im Baviaanskloof, um die Leoparden dort zu schützen. Kap-Leoparden sind kleiner als Savannenleoparden. Männchen wiegen ca 42 kg, Weibchen 22 kg. Im Durchschnitt haben Männchen im Fynbos ein 250km2 großes Revier, Weibchen 120 km2. Von einem Männchen mit GPS-Halsband weiß man, dass es sich auf 600 km2 bewegt! Laut Forschern gibt es im Baviaanskloof 25 – 35 Leoparden. 19 davon haben ein GPS-Halsband um. Farmer bekommen von der Landmark Foundation eine Entschädigung für Verluste durch Leoparden (betroffen sind vor allem Ziegen und Schafe, aber auch manchmal Kälber), soweit dies durch die GPS-Daten bewiesen werden kann.


Kap-Bergzebra
Kap-Bergzebras (Equus zebra zebra) gab es im Baviaanskloof seit 1971 nicht mehr; 1990 wurden sie dann dort wieder ausgewildert. Das Bergzebra (Equus zebra) unterscheidet sich vom Steppenzebra (Equus burchelli) unter anderem dadurch, dass es mehr dunkle Streifen hat. Bergzebras wurden früher hauptsächlich wegen ihrer Felle gejagt. Damals fand man sie in den Bergregionen der alten Kapprovinz. In den 1930er Jahren waren sie fast ausgestorben, weil sie ihren Lebensraum an Menschen verloren. Im Baviaanskloof machte den Zebras die Errichtung von Zäunen zu schaffen, die sie von Flüssen, einer wichtigen Wasserquelle, abschnitten. Das Bergzebra ist heute vom Aussterben bedroht.


Spitzmaulnashorn
Spitzmaulnashörner gab es im Baviaanskloof bis das letzte vor 100 Jahren geschossen wurde. 2007 wurden sechs Nashörner im Naturreservat des Baviaanskloof, zwischen Geelhoutbos und Doornkraal, wieder ausgewildert. Mit viel Glück kann man diese beeindruckenden Tiere sehen. Spitzmaulnashörner sind sowohl am Tag als auch in der Nacht aktiv. Wer auf eines trifft sollte sich auf keinen Fall nähern, sondern sich langsam zurückziehen. Heute sind sie vom Aussterben bedroht, unter anderem weil die Hörner in China sehr begehrt sind. Das illegale Töten von Nashörnern ist in vielen Schutzgebieten ein großes Problem.

Blue Hill Escape
02.02.2012, 06:34
Vögel


Die offizielle Liste der im Baviaanskloof Mega-Reserve vorkommenden Vögel umfasst ungefähr 300 Arten. Hier will ich nur ein paar für Vogelbeobachter besonders interessante Vogelarten aufzählen.


In der Baviaanskloof Wilderness Area zwischen Willowmore und Patensie gibt es eine ganze Reihe endemischer Vögel:
Im Fynbos: Cape Siskin (Hottentottengirlitz), Cape Sugarbird (Kap-Honigfresser), Victorin's Scrub-Warbler (Rostbrust-Buschsänger), Protea Seedeater (Proteagirlitz), Orange-breasted Sunbird (Goldbrust-Nektarvogel) und Cape Rockjumper (Kap-Felsenspringer).
Im Wald: Knysna Woodpecker (Natalspecht), Knysna Warbler (Sundevalls Buschsänger), Knysna Turaco (Helmturako), Olive Bush-Shrike (Olivwürger) und Narina Trogon (Narina-Trogon).


In der trockenen Gegend um Willowmore, Steytlerville und Rietbron findet man Karoo-Vögel, z.B. Layard's Tit-Babbler (Layards Meisensänger), Namaqua Warbler (Namasänger), Rufous-eared Warbler (Rotbackensänger), Denham's Bustard (Stanleytrappe), Ludwig's Bustard (Ludwigstrappe), Kori Bustard (Riesentrappe), Karoo Korhaan (Namatrappe), Southern Black Korhaan (Gackeltrappe), Secretary Bird (Sekretär) und Blue Crane (Paradieskranich).


Andere endemische Vogelarten dieser Gegend sind Ground Woodpecker (Erdspecht), Cape Rockthrush (Klippenrötel), Cape Grassbird (Kap-Grassänger), Southern double-collared Sunbird (Halsbandnektarvogel), Greater double-collared Sunbird (Großer Halsbandnektarvogel), Cape Bulbul (Kapbülbül) und Hottentot Buttonquail (Hottentotten-Laufhühnchen).


Zu den besonderen Raubvögeln dieser Gegend gehören Verreaux's Eagle (Felsenadler), Booted Eagle (Zwergadler) und Black Harrier (Morenweihe).