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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein anderes Teil von Suedafrika _ Philippolis in der wahren Karoo



Philippolis
23.04.2012, 11:58
Hier ein kleiner historischer Hintergrund ueb"Philippolis". Mit Sicherheit ein Besuch wert. Viele Reisende kennen diesen Teil von Suedafrika nicht. Hier liegt die wahre Karoo mit seiner einzigartigen Landschaft und Natur.

Nachdem die Toverberg Mission geschlossen wurde, wurde Philippolis in 1823 gegruendet, da Dr John Philip, Superintendent von Suedafrika, eine Missionsstation in der Gegend haben wollte. Philippolis wurde somit zur aeltest gegruendeten Missionsstadt in Free State und verfuegt ueber eine Vielfalt an historischem Hintergrund.
Dr Philip war der Namensgeber fuer Philippolis mit dem Wortanhang „Polis“, welches aus dem Griechischen abstammt. Es bedeutet: ‚Stadt‘. Also sozusagen: Die Stadt von Philip.
In 1826 machte Adam Kok II, Anfuehrer der Griqua, mit seinem Anhang, Philippolis zu seiner Heimatstadt. Kok wurde als Beschuetzer der Mission auserwaehlt. Die Geschichte der Kok’s war nicht mit einem guten Licht hinterlassen worden. Sie toeten all die Bushmaenner in der Umgebung der Missionsstadt. Als die damalige Regierung der Orange Free State beschloss das Land an Grossbritannien fuer 400 Pfund zu verkaufen, entschied die Kok-Familie die Gegend zu verlassen. Sie zogen knappe 600 Kilometer weiter. Das heutige ‚Kokstad‘ war somit gegruendet. Adam Kok III hatte hier seinen Einfluss.
Sein Haus - ueber Jahre konnte es nie so richtig bewiesen werden - in Philippolis ist immer noch existent. Es ist das sogenannte ‚Adam-Kok-house‘, was heute in zwei Geschaefte aufgeteilt ist. Die gefundenen Teller und Becher, die in einem zurueckgemauertem Bereich in der Wand per Zufall entdeck wurden, waren der Beweis dafuer, dass dies Adam Kok’s Haus war.
Emily Hobhouse (9 April 1860 – 8 June 1926), Tochter einer englischen Pfarrersfamilie kam am 27. Dezember 1900 in Kapstadt an der Waterfront an. Emily hatte zu Hause sehr viel ueber das Leid und Spektakel des Buren-Krieges in Suedafrika vernommen. Vorallem tat es ihr weh ueber das Leid der Frauen und Kinder des Konzentrationslagers in Port Elizabeth zu hoeren. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie nicht, dass ander Orts weitere Konzentrationslager bestanden.
Die Regierung gestattete Emily Hobhouse am 22. Januar 1901 nach Bloemfontein weiterzuziehen, wo sie am 24. Januar 1901 ankam. Emily war in mitten des zweiten Burenkrieges angekommen. Afrikaans als Sprache war ihr natuerlich fremd. Doch verstand sie das Elend in dem Konzentrationslager unter den Inhaftierten unmittelbar. Ueber 2000 Gefangene, davon 900 Kinder waren registriert. Der Krieg zwischen den Buren und Englaendern war voll im Gange. Wasserknappheit und Hungersnoete wurden ausgestanden. Die Englischen Truppen verhafteten viele Farmer – Free State ist heutzutage noch Farmland von Suedafrika – und brannten deren Haeuser und Land nieder. Es wurde sichergestellt, dass die Resttruppen der Afrikaner keine Unterstuetzung sowie Nahrung bekamen.
Der Kampf fuer Menschenrecht entbrannte zusehends in Emily Hobhouse‘ Herzen und wurde deutlich erkennbar in ihrem Einsatz fuer die leidende Bevoelkerung. Was sehr viele nicht wissen, ist, das Emily in 1903 in Philippolis eine Spinnerei und Weberei einrichtete. Ihr Anliegen war, dass die Frauen eine Taetigkeit bekamen. Der erste Schritt war um das Handwerk zu lernen; dann zu produzieren und weiterzuverfahren, um etwas Geld zu erwirtschaften. Ein Anliegen des Ueberlebens.
Ein Schild „Emily’s“ bei FoodZone ist noch ein kleines Anzeichen fuer den Speiseraum, den Emily ebenfalls in Philippolis errichtet hatte. Gleich gegenueber FoodZone haelt Philippolis ein Gedenkgarten fuer Emily in Erinnerung und Dankbarkeit. Die Verbundenheit zu ihr ist noch heutzutage gegeben. Sie war eine ware Kaempferin in der Not.
Eine weitere historische Charakterfigur zu Philippolis ist‚ Sir Laurens van der Post‘ (geboren 13. December 1906 in Philippolis, verstorben 16. Dezember 1996 in London). Laurens war das elfte Kind von 13 Kindern. Er verbrachte seine Kindheit auf der Farm. Laurens hielt sich sehr gerne in der Bibliothek seines Vaters auf.
Laurens van der Post durchlief sehr viele Hoehen und Tiefen mit sehr vielen markanten Lebensstationen; und er war ein geborener Literat, was sich deutlich in den 25 geschriebenen Buechern zeigt. Einige Verfilmungen zaehlen ebenso zu seinen Werken.
Laurens ein Abenteurer, Diplomat, Journalist sowie Reiseschriftsteller kam sehr viel herum in der Welt. Sein Kampf galt der Rassendiskriminierung; und sein Herz blieb stets fuer Afrika offen. Er hatte ein besonderes Augenmerk fuer den Buschmann, den rechtlosen Ureinwohner des südlichen Afrikas.
C. J. Jung war ein langjaehriger Freund von Laurens van der Post. 1980 wurde Laurens van der Post in den Adelsstand erhoben. Er war Erzieher von Prinz Charles.
In Gedenken an Sir Laurens van der Post wurde das Gedenkgrundstueck/-haus durch seine Tochter Lucia in Philippolis umgebaut bzw. errichtet. Auf dem hinteren Grundstueck befindet sich ein Labyrinth. Das eigentliche Wohnhaus von Laurens befindet sich heute in privater Hand.
1827 wurde der erste Abschnitt des ‚Philippolis Old Jail‘ erbaut. Das Gebaeude diente als erste Polizeistation; weiterhin wurde es als Baracke und dann als Gefaengnis gehalten. 1998 wurde das gesamte Anwesen privat ersteigert, renoviert und dient nun als Unterkunft.
Im hinteren Bereich von Philippolis steht das alte ‚Kruithuis‘ (Pulver-Haus). Die Kanzel der NG Kerk in Philippolis ist schon auf Grund der Tatsache, dass sie aus einem Stueck wildem Oliven-Baum geschnitzt wurde, sehenswert. Fuer die Holzarbeiten wurden keine Naegel verwendet.
Die Buecherei sowie das Museum haben ihren erhaltenen architetonischen Karoo-Stil sowie sehr viele Haeuser in Philippolis.